Donnerstag, 15. Oktober 2015

Runder Tisch der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer im Amt Kisdorf: Großes Engagement und viel Empathie

Susanne Strehl, ehrenamtliche Amtskoordinatorin für die Flüchtlingshilfe im Amt Kisdorf stellte den rund 30 anwesenden ehrenamtlich Aktiven - darunter auch interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich über die Arbeitsweise des Helferteams informieren und gegebenenfalls engagieren wollen - während der Sitzung am 14.10.2015 zunächst die vorliegenden Zahlen und Fakten vor.

Für den Amtsbereich Kisdorf liegen demnach folgende Daten vor:


-Nach heutigem Stand sind im Jahr 2015 117 Flüchtlinge aufzunehmen; 48 Menschen wurden bereits untergebracht, 69 sind noch bis zum Jahresende auf die Gemeinden zu verteilen.

- Nimmt man die Vorjahre hinzu, so leben derzeit 54 Asylsuchende im Amtsgebiet, 8 werden in den nächsten Tagen Unterkunft finden.

Folgende Gemeinden haben bis zum heutigen Zeitpunkt Flüchtlinge aufgenommen:

Sievershütten: 22
Kisdorf: 17 (+8 in den nächsten Tagen)
Kattendorf: 9
Stuvenborn: 6

- 34 Menschen haben voraussichtlich keine Bleibeperspektive.

Wie angespannt und fordernd die Situation auch in Schleswig-Holstein und im Kreis Segeberg ist, lässt sich an drei Beispielen verdeutlichen:

(1) Das Erstaufnahmelager in Boostedt mit einer geplanten Aufnahmekapazität von 500 Personen soll zukünftig bis zu 2000 Menschen beherbergen.

(2) Der zuletzt von der Landesregierung praktizierte Winterabschiebestopp für abgelehnte Asylbewerber wird nicht mehr erlassen, allerdings erfolgt eine Individualprüfung.

(3) Der Kreis Segeberg hat u. a. den Volkshochschulen in Norderstedt, Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg 60.000 € für das Programm "Bei Ankunft Sprache" bewilligt.

Zur Darstellung der vielfältigen Aufgaben des Helferteams wurde der Ablauf der "Erstaufnahme sowie der ersten Schritte" in einer Gemeinde geschildert:

(1) Die zuständige Mitarbeiterin im Amt Kisdorf meldet sich bei Frau Strehl und teilt ihr mit, wann, wer und in welcher Anzahl Flüchtlinge unterzubringen sind.

(2) Die vorgesehene Wohnung wird von den Helfern vorab inspiziert und entsprechend ausgestattet. Dazu existiert in Kattendorf ein Möbellager sowie in Kisdorf ein Haushaltswarenlager, in denen die Sachspenden aus der Bevölkerung untergebracht sind und bei Bedarf entnommen werden.

(3) Flüchtlingshelfer empfangen - in der Regel zusammen mit einem Sprachübersetzer - und einem Mitarbeiter des Amtes die Flüchtlinge und vermitteln ihnen erste Informationen über die Wohnung und das tägliche Leben.

(4) Dann stehen die ersten Fahrdienste an, so werden die Flüchtlinge z. B. - auch in Abhängigkeit von der jeweiligen Lebens- und Standortsituation - zu Behörden, zum Lebensmittelhandel, zur Tafel, zum Arzt, zur Hebamme, zum Sprachkurs, zur Schulanmeldung, zu Integrationsmaßnahmen (z. B. Sport, kulturelle Veranstaltungen) etc. gefahren. Sobald eine gewisse Orts- und Umgebungskenntnis bei den Flüchtlingen vorhanden ist, sollen Fahrten mit dem öffentlichen Personennahverkehr oder dem Fahrrad, das aus Spenden bereitgestellt wird, erfolgen, damit die Flüchtlinge möglichst schnell in die Selbständigkeit entlassen werden.

Zur Bewältigung diverser Aufgaben haben verschiedene ehrenamtliche Helfer "Spezial- und Koordinationsaufgaben" übernommen: Orts-/ Gemeindekoordination, Lagerverwaltung für Möbel und Hausrat, Möbeltransport, Raumausstattung, Fernsehinstallation, Kinder- und Schwangerenbetreuung, Kontaktaufbau zum Thema Arbeit (Job-Center, Ausländerbehörde, Arbeitgeber) Sprachkurse, Spielplatzbetreuung, Fahrradinstandsetzung, Spendenkoordination usw..

Frau Strehl machte klar, dass - unabhängig von der Bleibe- oder Abschiebeperspektive - die Flüchtlinge während ihres Aufenthaltes gleich behandelt werden. Alle hätten einen Anspruch auf eine menschenwürdige Lebenssituation.

Es wurde aber auch betont, dass z. B. bei der gemeinsamen Unterbringung religiöse Vorbehalte gegenüber anderen Asylbewerbern keine Berücksichtigung finden, denn aufgrund der gesetzlich verankerten Religionsfreiheit und der hier geltenden Regeln für das Zusammenleben sei dies ein erster Integrationsschritt, die angespannte Wohnraumsituation ließe auch keine Ausnahmen zu, so Susanne Strehl sinngemäß.

Ein ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer berichtete über die von ihm übernommene Patenschaft für Flüchtlinge. Er nannte insbesondere folgende Punkte für eine erfolgreiche und zielführende Unterstützung der Flüchtlinge:

- Persönliche Kontaktpflege, insbesondere viele Gespräche
- Freundlicher Umgang auf Augenhöhe
- Unternehmungen (Sport, Veranstaltungsbesuche, Erkundung der Gegend, gemeinsames Kochen)
- Menschen, die keine Bleibeperspektive haben, auf die Rückreise vorbereiten

Die Ausführungen endeten mit einer bemerkenswerten (sinngemäß wiedergegebenen) Aussage:

Man gibt viel, es gibt einem aber auch selbst sehr viel!

Ferner wurden folgende Themengebiete während der Sitzung angesprochen:

Arbeitsaufnahme
(1) Asylbewerber und Ausländer mit einer Duldung können in der Regel nach drei Monaten eine Arbeit aufnehmen. Sobald eine Arbeitsstelle gefunden wurde, ist die Ausländerbehörde und die Bundesagentur für Arbeit zu informieren. Dann erfolgt die sogenannte Vorrangprüfung, bei der zunächst geschaut wird, ob für die Stelle Deutsche oder EU-Ausländer infrage kommen. Nur wenn dies nicht der Fall ist, kann der Asylbewerber die Stelle antreten (Beispiel siehe hier).

(2) Anerkannte Asylbewerber können sich zwecks Arbeitssuche an das Job-Center wenden.

Schulbesuch

Schülerinnen und -schüler werden zwecks Spracherwerb in sogenannten DAZ-Zentren (DAZ = Deutsch als Zweitsprache) unterrichtet.

Grundschülerinnen und -schüler aus Kisdorf besuchen die Grundschule am Flotttkamp in Kaltenkirchen, ältere Schülerinnen und Schüler werden in entsprechenden Zentren in Norderstedt oder Bad Segeberg auf den weiteren Schulbesuch an Regelschulen vorbereitet.


Aufruf

Gesucht:
Weitere aktive Helferinnen und Helfer!
Unterkünfte für Flüchtlinge!
Kleinbus / Transporter!

Für Angebote wenden Sie sich bitte an Susanne Strehl (Telefon: 0171 / 4499896 oder Email: Info@susanne-strehl.de)